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ver.di kritisiert Krankenhausstudie

Finger weg von unseren Krankenhäusern

ver.di kritisiert Krankenhausstudie

Als „vollkommen unbedacht und völlig untauglichen Versuch den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen“ bezeichnet der ver.di-Pflegebeauftragte Michael Quetting die Studie der Bertelsmann Stiftung und deren Forderung nach Schließung jeder zweiten Klinik.

Quetting benennt die Ökonomisierung des Gesundheitswesens als Ursache des Notstandes. „Dies kann man nicht durch noch mehr Markt lösen, sondern nur durch einen schnellen Paradigmenwechsel hin zu Humanität. Der Mensch muss in den Mittelpunkt gestellt werden.“ Deswegen habe ver.di schon 2014 ein umfassende Konzept für ein Verbundklinikum Saar in demokratischer Kontrolle vorgeschlagen. Mit diesem Konzept würden die mit unterschiedlichen Partikularinteressen ausgestatteten Akteure des Gesundheitswesens vereint werden.

Quetting vor einem Informationsstand ver.di RPS Der ver.di-Pflegebeauftragte Michael Quetting

Die jetzt vorgelegte Studie nehme die Folgen eines ruinösen Wettbewerbs, in den die Krankenhäuser mit der DRG-Finanzierung 2003 getrieben worden sind, nun als Begründung für die Schließung von mehr als der Hälfte der Krankenhäuser. Das solle der „Markt“ regeln. Dabei werde übersehen, dass dieser blind sei gegenüber Versorgungsnotwendigkeiten, meint der Kritiker des Gesundheitswesens Quetting.

Quetting stellt fest: „ver.di sieht in der flächendeckenden und bedarfsgerechten stationären Versorgung eine staatliche Pflichtaufgabe im Rahmen der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge. Unverzichtbar ist eine gesellschaftliche Planung und Steuerung, um nach dem umfassenden Versagen der Marktkräfte in den Krankenhäusern nicht die Zerstörung des im Grundgesetz verankerten Sozialstaats hinnehmen zu müssen.
Die Gewerkschaft ver.di sieht die Schaffung eines Verbundklinikums einen ersten Schritt auf dem Weg, eine völlig verfahrene und gescheiterte Gesundheitspolitik wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Innerhalb dieses Verbundes wird es eine gestufte Versorgung geben. Dazu muss die DRG-Finanzierung abgeschafft werden. Wir brauchen eine Selbstkostenfinanzierung, die es auch auf dem Land Krankenhäusern möglich macht, mit einer Grundversorgung im stationären Bereich und Öffnung für ambulante Versorgung zu gewährleisten ohne sinnlose Behandlungen durchzuführen, um wirtschaftlich zu überleben.“

Die Bertelsmann-Autoren orientieren sich an Dänemark. Dort wurde eine "Reform von oben" durchgezogen. Kleine Krankenhäuser wurden durch große ersetzt. Das war in Dänemark möglich, weil alle Krankenhäuser staatlich sind. Dänemark veranschlagt für den Umbau seiner Krankenhauslandschaft sechs Milliarden Euro. Bezogen auf die deutsche Bevölkerungszahl wären dies 80 Milliarden Euro. Heraus käme ein Konjunkturprogramm für die Bauindustrie und die medizinische Geräteindustrie mit ungewissen Folgen für Qualität und Sterblichkeit. Mit 80 Milliarden Euro ließen sich 30 000 zusätzliche Arztstellen oder 50 000 zusätzliche Pflegestellen über 25 Jahre finanzieren. Das würde die Qualität vielleicht auch verbessern.

ver.di kämpft für eine "Reform von unten" unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, der Krankenhausträger, der Beschäftigten und ihrer Organisationen und Vertretungen, der ambulanten Dienste und Praxen und ihrer Beschäftigten und von Patientenorganisationen. Der Vorschlag für ein Verbundklinikum fördere Kooperation, betonte der Gewerkschafter. Darüber sollten aber die Menschen der Region entscheiden, nicht nicht die Gesundheitsbürokratie, Bertelsmann oder ein privatwirtschaftliches Beratungsinstitut. Quetting appelliert an alle politisch Verantwortlichen, „deutlich klare Kante zu zeigen.“ Die Krankenhäuser seien Errungenschaften. Sie gehörten den Menschen und seien lebensnotwendig. Darüber zu entscheiden stehe Niemand anders zu als diesen Menschen, stellte der Gewerkschafter fest.