Alltagsheld*innen

    Corona und Kurzarbeit....

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    Corona und Kurzarbeit....

    Wie läuft das eigentlich in der Praxis?
    Vanessa Maione, Bundesagentur für Arbeit privat Vanessa Maione  – Vanessa Maione, Bundesagentur für Arbeit

    Unser Mitglied Vanessa Maione arbeitet bei der Bundesagentur für Arbeit Saarland und hilft derzeit ihren Kolleg*innen in der Abteilung für Kurzarbeitergeld aus. Im Interview berichtet sie von den Erfahrungen der letzten Wochen.

     

    Wer bist du?

    Mein Name ist Vanessa Maione und ich bin 25 Jahre alt.

    Wie ist deine derzeitige private Situation

    Ich bin ledig und habe keine Kinder.

    Wo arbeitest du? Was beinhaltet deine Tätigkeit üblicherweise?

    Ich arbeite bei der Bundesagentur für Arbeit Saarland. Dort bin ich im Operativen Service (kurz OS) tätig. Ich bin im Bereich Arbeitsmarktdienstleistungen und habe dort nur mit Bildungsträgern als Kunden zu tun. Dies auch nur schriftlich oder telefonisch, persönlichen Kundenkontakt habe ich in der Regel keinen. Des Weiteren bin ich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung der Agentur für Arbeit Saarland tätig.

    Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf deine Arbeit aus?

    Für mich hat sich die Arbeit insofern geändert, dass ich seit dem 18.03.2020 in einem anderen Team unterstütze – in KIA. In dem Team wird unter anderem das Kurzarbeitergeld bearbeitet.

    Durch die Gesetzesänderungen sind, wie es wahrscheinlich schon viele in den Medien mitbekommen haben, die Anträge auf Kurzarbeitergeld durch die Decke gegangen. Stand Juni 2020 sind wir im Saarland bei rund 11.000 Anzeigen über Arbeitsausfall, der Normalwert pro Jahr liegt bei rund 300. Die Arbeitsbelastung hat sich drastisch erhöht, sodass aus allen Bereichen wie der Berufsberatung, Reha-Beratung, Arbeitsvermittlung, usw. Kolleginnen und Kollegen mithelfen mussten und noch müssen. Außerdem helfen ebenfalls unsere Nachwuchskräfte (Auszubildenden) mit, die normalerweise z.B. an der HdBA (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim) wären, die jedoch zurzeit geschlossen ist. Außerdem wurden bundesweit für die Bearbeitung von Kurzarbeitergeld und für die Bearbeitung von Anträgen auf Arbeitslosengeld befristete Mitarbeiter eingestellt, im Saarland sind das 30.

    Ich habe die gesamte Zeit im Büro gearbeitet, mein Arbeitgeber hat aber allen Kolleginnen und Kollegen, die beispielsweise in Frankreich wohnen oder Probleme mit der Kinderbetreuung hatten, ermöglicht in Homeoffice zu arbeiten. Dies wurde auch zahlreich, teilweise auch nur tageweise, genutzt.

    Welche Gefahren siehst du in Bezug auf deine zukünftige Arbeit?

    Gefahren sehe ich keine – im Moment werden zwar viele Überstunden geleistet, jedoch ist unser Arbeitgeber uns so weit entgegengekommen, dass die Überstundenkappung für dieses Jahr entfällt und alle Zuschläge für Arbeiten zu ungünstigen Zeiten anstandslos bezahlt werden.

    Welche Chancen bringt die Corona-Pandemie deiner Meinung nach?

    Eine Chance, die Corona meiner Meinung nach im Berufsleben bringt ist, dass jetzt auch Techniken wie Online Besprechungen über Skype mehr genutzt werden, das spart viele Reisewege insbesondere bei kurzen Besprechungen.

    Was wäre in Bezug auf deine derzeitige Situation die dringendste Forderung an die Politik?

    Eine Forderung aus dem privaten Bereich, die ich hätte ist, dass mehr über Verschwörungstheorien und Fake News aufgeklärt werden muss. Gerade jetzt in dieser Zeit bekommen die Verschwörungstheoretiker eine immer größere Plattform, worauf viele Leute aufspringen und wogegen etwas getan werden muss. 

    Im beruflichen Bereich finde ich es nicht gut, dass die BA für die zusätzlichen finanziellen Mittel, die sie benötigt, nur einen Kredit von der Politik erhalten soll und keinen Zuschuss. Das bedeutet nämlich, dass wir diesen Kredit die nächsten Jahre zurückzahlen müssen, also einsparen müssen, obwohl jedem klar sein muss, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht in den nächsten Monaten sofort wieder entspannen wird. Hier bringen wir uns als Fachgruppe politisch ein und versuchen noch etwas bewegen zu können.