Krankenhäuser

1 mal Lob und 7 mal Kritik

Betriebsgruppe klagt an

Mängelliste an UKS überreicht

Auf Personalversammlung  an der Uniklinik des Saarlandes in Homburg hat die ver.di Betriebsgruppe dem Vorstand des UKS am 14.11.19 eine  überdimensionale Anklageschrift überreicht.

Laut Pflegebeauftragten Michael Quetting mache sich der Vorstand wegen „sieben Pflichtverstößen“ schuldig. Quetting: „Wir erwarten, dass diese Verstöße abgestellt werden. Der Notstand ist viel zu groß, dass man ihn einfach aussitzen kann. Die Entlastung muss endlich bei allen ankommen. Vorgesetzte, die sie nicht richtig umsetzen, sind fehl am Platz.“

Quetting äußerte seine Enttäuschung über die Mängel und betonte allerdings gleichzeitig  „Wir verkennen durchaus nicht, dass die Uniklinik bis zur Stunde das einzige deutsche Krankenhaus ist, an dem die Beschäftigte Entlastungstage bekommen.“ Dieser Umstand lasse die Uniklinik im Kampf gegen den Personalnotstand zwar besser dastehen als viele andere Krankenhäuser und man könne der Interessenvertretung nur herzlich für den letzte Woche erhaltenden Mitbestimmungspreises 2019 nur gratulieren. Es bleibe aber noch sehr viel zu tun.

Wir klagen an ver.di FB 03 ver.di Gruppe mit Anklagetransparent

Viele Kolleginnen und Kollegen tragen aktuell ein Schild in Visitenkartegröße mit dem sie deutlich machen, dass sie am Ball bleiben wollen.Die verdi Gruppe hat sie ausgegeben. Es geht um die ENtscheoidung, ob man noch resigniere oder schon kämpfe. Befestigt wird dieses Kärtchen mit einer Wäscheklammer, die in Homburh seit dem Ultimatum auf dem Nervenberg "Klammer der Solidarität" genannt wird.

Resigniertet Du noch? ver.di FB 03 Das Kärtchen
Frank Klein ver.di FB 03 Frank Klein, Mitglied im Vorstand der ver.di-Betriebsgruppe

ver.di hatte in einer langen Auseinandersetzung Ende 2018 dem UKS eine Vereinbarung zur Entlastung abgerungen. Erstmals wurden für ein Krankenhaus sogenannte Entlastungstage vereinbart. Arbeiten die Beschäftigten mehrmals in Unterbesetzung erhalten sie dafür bezahlte Freischichten. Es gibt für zahlreiche Bereiche, insbesondere für die Stationen und Funktionsabteilungen sowie OPs genaue Festlegungen, wie viel Personal wann da sein muss. So kann eine Unterbesetzung festgestellt werden. 

Ferner wurde ein umfangreiches Regelwerk festgelegt, das ein Konsequenzenmanagement verlangt. Es gibt Regelungen für die Ausbildung der Gesundheitsberufe, das Verbot der alleinigen Nachtarbeit und einiges mehr. 145 Stellen sollen neu geschaffen werden und Personalbemessungssysteme wie PPR auf den Stationen verbindlich eingeführt werden. Auch müssen Gefährdungsanzeigen binnen drei Tagen schriftlich bearbeitet werden. Die Hebammen erhalten eine "Level-1-Zulage" und einiges mehr.

Aktuell werden die Zahlen auf der Basis der Personalbemessungsverfahren mit den Abteilungen und Stationen kommuniziert. Und doch gibt es eine Enttäuschung, weil viele Beschäftigte schneller und überzeugender Entlastung erwartet hätten. Es gäbe auch vorgesetzte, die "offensichtich den Vertragstext nicht lösen können", meinte Quetting nannte den Umstand, dass immer noch die Kolleginnen, die sich in der Fachweiterbildung befinden im OP auf die Stellen angerechnet werden, obwohl das eindeutig anders vereinbart wurde.

Sabine Stein ver.di FB 03 Sabine Stein  – Die Betriebsgruppensprecherin Sabine Stein auf der 1. Mitbestimmungsmesse am 6. November in Saarbrücken. Der Personalrat erhielt für Arbeit bei der Umsetzung der Vereinbarung zur Entlastung den 1. Preis

Die sieben Pflichtverstöße, die ver.di der Uniklinik vorwirft:

  1. Es sind für die Abteilungen und Stationen keine ständig erreichbare verantwortliche Ansprechpersonen vorhanden.

  2. Das Konsequentenmanagement funktioniert nicht. Betten werden selten geschlossen, OPs nicht abgesagt.

  3. Weiterhin muss oft nachts allein gearbeitet werden.

  4. Gefährdungsanzeigen werden nicht binnen drei Tagen bearbeitet.

  5. Die Teilnehmer der Fachweiterbildungen werden vereinbarungswidrig bei der Regelbesetzung mit angerechnet.

  6. Der Pool ist nicht auf die vereinbarte Größe aufgebaut.

  7. Die 145 zusätzlichen Stellen wurden nicht geschaffen.
Die Anklage ver.di FB 03 Das große Dokument