Krankenhäuser

Ultimatum St. Ingbert erfolgreich beendet

9. Ultimatum erfolgreich

Ultimatum St. Ingbert erfolgreich beendet

Das Ultimatum der Intensivstation im Kreiskrankenhaus St. Ingbert wurde beendet. Es wird Neueinstellungen und eine Reihe von organisatorischen Veränderungen geben. Die Beschäftigten betrachten ihre Forderungen als erfüllt.

Radio Salü meldet in den Nachrichten: "Das ist fürs Pflegepersonal in vielen Kliniken nicht nur hier im Saarland eine Unmöglichkeit und würde die Versorgung lahmlegen: Deshalb hat die Drohung der Gewerkschaft ver.di, dass das Intensiv-Pflegepersonal im St. Ingberter Kreiskrankenhaus keine Sonderleistungen mehr erbringt oder Extradienste leistet, die Chefs aus der Reserve gelockt. die Gewerkschaft hat sich mit Betriebsrat, Ärzten und Klinikleitung zusammengesetzt und jetzt eine Einigung gefunden: Es wird umorganisiert, mehr Personal und Assistenten eingestellt, wodurch sich die Jobsituation der Pflegerinnen und Pfleger in St. Ingbert entspannen soll. Als Folge hat die Gewerkschaft ihre Drohung mit Dienst nach Vorschrift zurückgenommen."

Wir wollten mehr wissen und befragten den zuständigen Gewerkschaftssekretär Michael Quetting. Hier unser Gespräch.

Unser Sekretär Michael Quetting im Gespräch mit dem fernsehen Peter Klein Michael Quetting wird interviewt

Das Team der Intensivstation im Kreiskrankenhaus St. Ingbert hat mit Hilfe eines Ultimatums Verbesserungen durchgesetzt. Was haben die Pflegekräfte erreicht?

Sie haben gefordert, in der Früh-, Spät- bzw. Nachtschicht mit einer 5-4-4-Besetzung zu arbeiten. Diese Forderung haben sie voll durchgesetzt. Der Stellenplan wurde von 23,24 auf 24,8 Vollkräfte erhöht. Bis die entsprechende Zahl an Neueinstellungen vollzogen ist, wird die Bettenzahl von zwölf auf zehn reduziert. Hinzu kommen organisatorische Veränderungen. So soll die Stationssekretärin, die in diesem Fall eine examinierte Kraft ist, nicht mehr auf den Stellenplan angerechnet werden. Es wird eine zusätzliche Stelle eingerichtet und ein Freiwilligendienstleistender wird der Station zugeordnet. Und – was besonders hervorzuheben ist: Es wurde festgeschrieben, was passiert, wenn zum Beispiel wegen Krankheitsausfällen doch mal zu wenig Personal da ist. In diesem Fall wird die pflegerische Schichtleitung zusammen mit dem verantwortlichen Oberarzt sofort reagieren und Maßnahmen zur Entlastung ergreifen. Die Abmeldung der Station von der Notfallversorgung wird ausdrücklich in deren Kompetenz gelegt. In einem halben Jahr sollen die Regelungen evaluiert werden. All das hat die Klinikleitung dem Team schriftlich zugesichert.

Die ver.di Betriebsgruppe des Kreiskrankenhauses St. Ingbert kämpft für Entlastung Peter Klein Die ver.di Betriebsgruppe des Kreiskrankenhauses St. Ingbert kämpft für Entlastung

Warum ist es so wichtig, dass die pflegerische Schichtleitung und der verantwortliche Oberarzt in Überlastungssituationen eigenständig Maßnahmen ergreifen können?

Die Erfahrungen zeigen, dass wir mit den Ultimaten zwar etwas durchsetzen können – zum Beispiel mehr Stellen. Doch oft wird das durch die Fluktuation wieder konterkariert oder der Arbeitgeber redet sich damit heraus, dass er keine Pflegekräfte findet. Es ist letztlich dasselbe Problem wie mit dem Tarifvertrag für mehr Personal und Entlastung an der Berliner Charité: Wir haben leider keine Polizei, die die Umsetzung der Vereinbarungen erzwingen kann. In St. Ingbert ist das nun erstmals anders: Wenn die Vorgaben unterschritten werden, können die Praktikerinnen und Praktiker selbst reagieren, in diesem Fall ein Arzt und ein Mitglied des Pflegeteams. Sie haben die volle Befugnis, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Das ist deutlich mehr als in den bisherigen Vereinbarungen.

Noch 44 Tage bis zum Ultimatumsende - da kam die Einigung ver.di Saar Trier Einigung 44 Tage vor dem Ende

Wie hat das Team das erreicht?

Wir haben das Ultimatum bereits Ende vergangenen Jahres gestellt. Es lief zeitgleich mit einem Ultimatum der Station 7 an der Homburger Uniklinik an, wodurch sehr schnell eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit erreicht wurde. Es gab diverse Medienberichte, alle politischen Kräfte haben sich geäußert. Wir haben verschiedene Aktionen angekündigt. Allerdings sind wir gar nicht dazu gekommen, diese umzusetzen. Die Klinikleitung erklärte zwar zunächst, Ultimaten interessierten sie nicht. Dennoch hat sie in großer Offenheit mit den Betroffenen unter Beteiligung der Gewerkschaft ver.di über Entlastung gesprochen. Die Pflegekräfte der Intensivstation trugen jeden Tag ein Schild auf ihrem Kittel, mit dem die Tage bis zum Ablauf des Ultimatums herunter gezählt wurden. Die Kolleginnen und Kollegen der anderen Stationen im Kreiskrankenhaus trugen Aufkleber mit dem Schriftzug »Intensive Solidarität«, um ihre Unterstützung zu zeigen. Das Ultimatum war auch zentrales Thema einer Betriebsversammlung. Das alles hat Eindruck gemacht und dazu geführt, dass die Klinikleitung schon 44 Tage vor Ablauf des Ultimatums Zugeständnisse machte. Sie wollte raus aus den negativen Schlagzeilen. Auch deshalb haben wir die Vereinbarung mit einer gemeinsamen Erklärung von Geschäftsleitung und ver.di öffentlich besiegelt.