Krankenhäuser

Marienhausklinik Ottweiler zum Streik gerufen

Wir fordern Verhandlungen zu Entlastung:

Marienhausklinik Ottweiler zum Streik gerufen

Die Gewerkschaft ver.di ruft alle Beschäftigten und Auszubildende der Marienhausklinik Ottweiler am Mittwoch,11. Oktober 2017 für alle Schichten in 24 Stunden beginnend mit der Frühschicht zu einem Warnstreik auf.

ver.di fordert einen Tarifvertrag Entlastung. Dort soll eine Mindestpersonalausstattung festgelegt und Regelungen zum Belastungsausgleich getroffen werden. Auch die Verbesserung der Ausbildungsqualität wird gefordert, so sollen Auszubildende nicht mehr zur Kompensation von Personalengpässen herangezogen werden dürfen.

Streikaufruf MKH Ottweiler am 11.10.17 ver.di Streikaufruf MKH Ottweiler

ver.di hat im Saarland im November 2016 die Krankenhäuser zu Verhandlungen über Entlastung aufgefordert. Aktuell wird an den Unikliniken des Saarlandes und mit der SHG-Gruppe verhandelt. Im April 2017 gab es erstmals Gespräche zwischen ver.di und Marienhaus über Entlastung – leider wurden diese von der Arbeitgeberseite ergebnislos abgebrochen. Unser erneutes Verhandlungsangebot wurde bis heute leider nicht angenommen. Dazu stellte Gewerkschaftssekretär Michael Quetting fest: „Die Beschäftigten wollen Wert geschätzt werden und brauchen Entlastung. Deswegen rufen wir zum Streik. Nach unserem Kenntnisstand ist das der erste Streik in Deutschland an einem Betrieb, wo das katholische Arbeitsrecht angewendet wird.“

Wie an anderen Krankenhäusern auch, gibt es in Ottweiler einen dringenden Bedarf, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, um Patienten eine würdevolle und menschliche Pflege zukommen lassen zu können. Stress ist zum Dauerzustand geworden. Resignation, gefährliche Pflege und vielfältige Gefährdung der Gesundheit sind die Folge. Beschäftigte des Klinikums Ottweiler bemängeln unter anderem, dass sie nachts allein auf Station sind und der Krankenstand hoch ist. Am Wochenende ist in der Mittagsschicht oft nur eine Examinierte zusammen mit Azubis auf Station. Auf der Intensiv-Station arbeitet man am Wochenende oft lediglich zu zweit und ist für bis zu acht Patient/innen verantwortlich, notwendig wären mindestens vier Pflegefachkräfte. Wie die Deutsche Stiftung Patientenschutz mitteilte, kamen 2016 auf eine Pflegekraft durchschnittlich rund 59 Fälle und damit 44 Prozent mehr als 1991 (rund 41). Im Saarland ist die Zahl der Pflegekräfte im Krankenhaus gleich wie 1991, nämlich 4.800, allerdings ist die Fallzahl um 22 % gestiegen. Betreuten eine Pflegekraft 1991 noch 49,6 Menschen, so sind es heute über 60. 

„In immer mehr Krankenhäusern in Deutschland stehen die Beschäftigten auf und fordern Entlastung. Die Ottweiler schreiben jetzt Geschichte und beweisen, dass Pflegekräfte auch in einem katholischen Krankenhaus streiken können. Nur wenn sich auch die Beschäftigten aus den konfessionellen Häusern für mehr Personal und Entlastung einsetzen, können wir grundlegende Verbesserungen in der gesamten Krankenhauslandschaft durchsetzen,“ so Michael Quetting.

Die Beschäftigten der Marienhausklinik bitten eindringlich die Kolleginnen und Kollegen aller saarländischen Krankenhäuser, aller Pflegenden im Land, aber auch die Bevölkerung um Solidarität. Insbesondere wenden sich die Pflegenden an alle Katholiken und bitten um Hilfe und Unterstützung.

Die ver.di Gruppe im Marienkrankenhaus Ottweiler ruft zur Demonstration für mehr Personal im Krankenhaus am Mittwoch, 11.10. ab 16:30 Uhr ab Krankenhaus Ottweiler. Auf einer Kundgebung auf dem Ottweiler Schlossplatz werden u.a. Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand, Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes und Vertreter verschiedener Krankenhausbelegschaften aus ganz Deutschland erwartet.