Krankenhäuser

SHG zu Vertrag mit ver.di bereit

Homburg ist das Vorbild

Kommt Entlastung auch zur SHG?

ver.di und die Saarland Heilstätten GmbH einigen sich darauf, eine Vereinbarung für mehr Personal und Entlastung zu schließen. Über die Details wird im Winter verhandelt.
Nach dem Universitätsklinikum des Saarlandes könnte es bald auch in drei weiteren Krankenhäusern im Saarland für mehr Personal und Entlastung geben. ver.di und die Saarland Heilstätten GmbH (SHG) wollen für die Kliniken in Völklingen, Merzig und Saarbrücken-Sonnenberg sowie im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein einen Vertrag aushandeln, der ähnliche Verbesserungen beinhaltet wie derjenige, den Arbeitgeber und Gewerkschaft kürzlich an der Homburger Uniklinik geschlossen haben.

SHG-Geschäftsführer Bernd Mege und ver.di Landesfachbereichsleiter Frank Hutmacher verkündeten kurz vor Weihnachten in Saarbrücken: "Der Durchbruch ist geschafft."

Die Chirurgische Intensivstation der SHG-Völklingen meldet sich streikbereit ver.di Saar Trier Streikbereite Intensivstation in Völklingen

Wie in Homburg soll auch an den vier SHG-Standorten eine erhebliche Zahl zusätzlicher Stellen geschaffen werden. Die grundsätzliche Einigung beinhaltet zudem die Festlegung von Sollbesetzungen in allen Pflegebereichen, die Einführung von Personalbemessungssystemen, Regelungen für Pflege-Springerpools sowie die Einführung eines Konsequenzenmanagements bei Unterbesetzung und Überlastungssituationen. Nachts soll keine Pflegekraft mehr allein auf einer Station eingesetzt werden, was ver.di und die SHG-Klinik Völklingen bereits im März festgeschrieben haben. Außerdem sollen in den Kliniken der Saarland Heilstätten GmbH die Ausbildungsbedingungen verbessert und ein Bonussystem für Belastungstage eingeführt werden. 

 Sandra Hoen arbeitet in Völklingen privat Krankenpflegerin Sandra Hoen arbeitet in Völklingen

Auch hier ist die Homburger Uniklinik das Vorbild, wo Beschäftigte für jede unterbesetzte Schicht einen "Belastungstag" sammeln. Als Bonus dafür gibt es nach einer bestimmten Anzahl einen bezahten freien ver.di-Tag.

Die Krankenpflegerin Sandra Hoen ist froh, dass die bereits im November 2017 geschlossene Prozessvereinbarung zur Entlastung der SHG-Beschäftigten nun Früchte trägt. "Die Bedingungen in der Pflege müssen sich verbessern – nicht nur bei uns, sondern überall", betonte die 49-Jährige. "Es ist gut, dass die Klinikleitung ihre Verantwortung wahrnimmt. Jetzt muss auch die Politik in Bewegung kommen und endlich verbindliche und am Pflegeaufwand orientierte Personalvorgaben beschließen."

ver.di-Landesfachbereichsleiter Hutmacher nannte die Vereinbarung mit den SHG-Kliniken – deren Details in den kommenden Wochen in Arbeitsgruppen ausgehandelt werden sollen – "ein wichtiges Ereignis für alle Pflegekräfte im südwestdeutschen Raum".

Aktivistinnen vom Saarbrücker Sonnenberg ver.di Saar Trier Aktivistinnen vom Saarbrücker Sonnenberg

Sie sei das Resultat der jahrelangen, von den Pflegekräften gemeinsam mit ver.di geführten Auseinandersetzung. Insbesondere in Völklingen und Idar-Oberstein hatten sich die Beschäftigten immer wieder an Streiks und Aktionen für mehr Personal und Entlastung beteiligt. Mehrere Teams nutzten die Strategie der Ultimaten und setzten Verbesserungen mit der Drohung durch, freiwillige Leistungen ab einem bestimmten Datum einzustellen. All das führte letztlich dazu, dass die SHG-Gruppe, bei der insgesamt über 5.000 Menschen arbeiten, nun bereit ist, eine verbindliche Vereinbarung mit ver.di zu treffen.

Demo in Idar-Oberstein ver.di FB 03 SHG Idar-Oberstein ist auch dabei

"Wenn der Vertrag mit der SHG geschlossen ist, haben wir schon vier Krankenhäuser an der Saar, die auf Entlastung und mehr Personal setzen und die Arbeitsbedingungen verbessern«, sagte ver.di-Sekretär Michael Quetting. Bekanntlich hat ver.di alle Krankenhäuser im Saarland zu Tarifverhandlungen für Entlastung und mehr Personal aufgefordert. In der Auseinandersetzung hatte man die Uniklinik und die Klinik in Völklingen als Vorreiter ausgesucht, die Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-pflaz hatten das SHG-Krankenhaus in Idar-Oberstein gennant. So würde alles entsprechend des Planes umgesetzt und man habe dann 16 Krankenhäuser in Deutschland, mit denen ver.di Vereinbarungen und Tarifverträge geschlossen habe. "Wir jammern nicht, wir schwätzen auch nicht nur, wir handeln, wenn auch viel zu langsam.," meinte Quetting. Angesichts der vom Bundestag im Rahmen des Pflegepersonalstärkungsgesetzesbeschlossenen vollständigen Refinanzierung zusätzlicher Pflegestellen gebe es "aktuell ein günstiges Zeitfenster, das Pflegekräfte zur Durchsetzung solcher Vereinbarungen nutzen können".

Auch in Merzig heißt es: Aufstehn für die Pflege ver.di Saar Trier Auch in Merzig heißt es: Aufstehn für die Pflege

Der Chefkorrespondent Landespolitik bei der Saarbrücker Zeitung,  Daniel Kirch, meinte in seinem Kommentar vom 22. Dezember 2018:

"Das alles ist erfreulich, aber es ist noch nicht die Lösung des Problems. Denn die in einem Vertrag zwischen Klinikleitung und Beschäftigten vereinbarten zusätzlichen Stellen müssen ja auch besetzt werden, und wo sollen all die zusätzlichen Pflegekräfte herkommen? In dem Maße, wie sich die Arbeitsbedingungen verbessern, werden hoffentlich auch wieder mehr junge Menschen bereit sein, Krankenpfleger/in zu werden. Deshalb ist es so wichtig, was SHG und Verdi nun im Grundsatz vereinbart haben. Gut gemacht! Andere Häuser werden nachziehen müssen, wenn sie bei der Suche nach neuen Pflegekräften künftig nicht in die Röhre schauen wollen."

Ähnlich positive Reaktionen gab es auch in anderen Medien wie dem Saarländischen Rundfunk und der Rhein-Zeitung. Der Kampf für Entlastung und mehr Personal geht auch im neuen jahr weiter. Aufstehn für die Pflege!

Kämpfende Kolleginnen und Kollegen der ver.di Betriebsgruppe aus Völklingen ver.di Saar Trier Kämpfende Kolleginnen und Kollegen der ver.di Betriebsgruppe aus Völklingen