Krankenhäuser

Streiks im Krankenhaus

21. April 2016

Krankenhausbeschäftigte in Geiselhaft

Aufregung im Saarland. Der Öffentliche Dienst kämpft. Am 21. April wird es große Warnstreiks geben. Mit dabei auch acht Krankenhäuser. Schon im März hatte ver.di den Arbeitgebern Notdienstvereinbarungen angeboten, um die Versorgung der Notfälle sicher zu stellen. Die Arbeitgeber sagten Nein. Man kündigt Dienstverpflichtungen an. Nun mischt sich sogar die Gesundheitsministerin Monika Bachmann in die Auseinandersetzungen ein.

Die Tarifrunde 2016 im öffentlichen Dienst ist außergewöhnlich und alles andere als einfach. Ver.di will sechs Prozent mehr Geld, die Einschränkung von befristeten Verträgen und die Übernahme der Auszubildenden. Die Arbeitgeber hingegen wollen die Altersversorgung schwächen. Im Rahmen der Tarifrunde soll die neue Entgeltordnung vereinbart werden – auch für die Gesundheitsberufe. 

Zusammenstehen - das Motto von Thomas Müller (links) und Michael Quetting ver.di Saar Trier Zusammenstehen  – Zusammenstehen - das Motto von ver.di-Geschäftsführer Thomas Müller (links) und Sekretär und Krankenpfleger Michael Quetting

Die Beschäftigten in den Krankenhäusern erwarten für ihre verantwortungsvolle, engagierte und belastende Arbeit gute Rahmenbedingungen und eine anständige Bezahlung. Daran zeige sich auch, was den Arbeitgebern die Arbeit wert sei, stellte in Saarbrücken Gewerkschaftssekretär Michael Quetting fest, denn die Arbeitgeber sehen für eine grundsätzliche Aufwertung keinen Bedarf. Die Pflegehilfskräfte sollen sogar weniger Geld bekommen. Das lehnt ver.di entschieden ab.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern sind schlecht. Es fehlt an Personal, es ist  überlastet und steht unter permanentem Zeitdruck. In einem Flugblatt der ver.di heißt es dazu:

 „Viele Arbeitgeber nutzen unsere Empathie und unsere Geduld schamlos aus. Es wird regelrecht damit kalkuliert, dass wir alles aus uns raus holen, um die Pflege und Versorgung der Patient/innen trotz des eklatanten Personalmangels noch zu gewährleisten – auf unsere Kosten. Die Personalnot ist gefährlich für Patienten und macht uns selbst krank. Und die Arbeitgeber meinen zu wissen, dass wir uns dagegen nicht wehren.

Doch viele Beschäftigte haben inzwischen erkannt: Nicht die Politik, nicht die Gesellschaft und schon gar nicht die Arbeitgeber werden es für uns richten. Jetzt nehmen wir unsere Interessen selber wahr – deswegen haben wir schon 285 Tarifberaterinnen benannt und bereiten einen Arbeitskampf für Entlastung vor. Die Entscheidung darüber soll im herbst erfolgen. Im Internet wird das unter dem #PflegestreikSaar diskutiert und vorbereitet.“

Die neue Streiktaktik

In dieser Auseinandersetzung hat ver.di eine neue Streiktaktik entwickelt, die den Schwerpunkt auf den Streik der Pflegekräfte legt. Angewendet wurde diese Methode bei der Charité in Berlin. Michael Quetting: „Dazu haben wir eine Notdienstvereinbarung geschaffen, die wir dem Arbeitgeber im März vorgelegt haben. im Kern geht es um die Erkenntnis, dass wir Pflegende nur streiken können, wenn wir keine Patienten haben. Deswegen kündigen wir eine Woche vor dem Streik an, wo wir so streiken, damit die Versorgung gesichert ist. Das ist einmalig in der Streikgeschichte und sehr verantwortlich gegenüber den Patienten.“ Diese Notdienstvereinbarung wird nicht nur bei der Charité in Berlin, sondern auch aktuell in Bayern angewandt.