Krankenhäuser

Die Not ist groß

Bundesweiter Aktionstag am 12.9.17

Händedesinfektion macht Pflegenotstand deutlich

Im Saarland machen 78 Stationen mit

Auf 78 Stationen in 16 saarländischen Krankenhäusern wird es am Dienstag, 12. September 2017, zu erheblichen Leistungseinschränkungen kommen. Das gab ver.di nach einer Beratung mit Teamvertreterinnen der verschiedenen Krankenhäuser bekannt. „Wer einen Krankenhausbesuch vermeiden kann, sollte am 12. September sich nicht in ein Krankenhaus begeben,“ so der Rat des Gewerkschaftssekretärs Michael Quetting.

Um am 12.9. eine ordnungsgemäße Pflege zu gewährleisten, benötige man 258 Beschäftigte mehr, so die Erfassung durch ver.di. Leider seien die Arbeitgeber nicht zur Kooperation bereit gewesen. Eine korrekte Händedesinfektion sei mit dem wenigen Personal nicht möglich, stellte der für die Krankenhäuser zuständige Sekretär Michael Quetting fest.

Die Personalnot in den Krankenhäusern führe dazu, dass Beschäftigte nicht alle notwendigen Aufgaben erfüllen können. Etwas bleibe auf der Strecke. Jeden Tag.

Abstimmung. ver.di Saar Trier Den Aktionstag Händesdesinfektionstag am 12.9.17 haben die Teamdelegierte der saarländischen krankenhäuser ausgerufen  – 100 % Zustimmung für das weitere Vorgehen
ver.di Sekretär Michael Quetting im Gespräch mit der Ministerpräsidentin des Saarlandes Annegret Kramp-Karrenbauer ver.di FB 03 Region Saar Trier ver.di spricht mit der Ministerpräsidentin
Auch der Gesundheitsminister Hermann Gröhe erhielt die Forderungen von ver.di ver.di FB 03 Region Saar Trier Die Verantwortlichen kennen den Pflegenotstand. Hier im Bild von rechts: Gesundheitsminister Herrmann Gröhe, der Präsident der DKG Thomas Reumann und ver.di-Sekretär Michael Quetting

Insbesondere der Abbau von Personal in der Pflege habe zur Folge, dass die Besetzungen in den Schichten reduziert wurden. Studien zeigen, dass in deutschen Krankenhäusern Pflegekräfte mehr Patienten betreuen müssen, als es im europäischen Durchschnitt der Fall ist. Während in Deutschland eine Pflegekraft durchschnittlich 13 Patienten versorgt, sind es in England nur acht und in Norwegen sogar nur vier Patienten. Häufig werden in Tagesschichten in der stationären Pflege mehr als 15 Patienten von einer Fachkraft versorgt, im Spätdienst erhöht sich das Verhältnis nochmals.

ver.di hat in einer Erhebung von 2013 festgestellt, dass 162000 Klinikbeschäftigte fehlen, davon ca. 70000 Pflegende. An der Erhebung nahmen bundesweit 201 Krankenhäuser teil, im Saarland erfolgte die Erhebung an sieben Krankenhäusern und stellte einen Fehlbedarf von 3.350 Beschäftigten fest, davon 1.500 Pflegekräfte. Besonders die Pflegekräfte, im Prinzip allerdings alle Beschäftigten im Krankenhaus, stehen enorm unter Druck.

Alle wissen, dass die Händedesinfektion das A und O bei der Vermeidung nosokomialer Infektionen ist. Alle wissen aber auch: dafür fehlt die Zeit. Insgesamt etwa zwei Stunden braucht eine Pflegekraft pro Schicht durchschnittlich für die vorgeschriebene Desinfektion. Doch wenn sie sich diese Zeit für die Desinfektion nimmt, fällt notgedrungen etwas anderes weg.

Am 12.9.2017 werden sich Teams aus Krankenhäusern in ganz Deutschland ordnungsgemäß die Hände desinfizieren und die Zeit dafür einfordern. Allein im Saarland beteiligen sich 78 Stationen in 16 Krankenhäusern an der Aktion.

Nach der Expertise der Pflegefachleute auf den Stationen benötigt man dafür einen Personalmehrbedarf von 258 Kolleginnen und Kollegen. Leider haben die Arbeitgeber sich auf den ver.di-Vorschlag nicht eingelassen, am Aktionstag das Personal entsprechend aufzustocken. Es wird deshalb am 12. September im Saarland zu erheblichen Einschränkungen in der pflegerischen Versorgung kommen. Sollten dadurch Notsituationen entstehen, wird ver.di umgehend die Aktion für beendet erklären. Wir empfehlen deshalb an diesem Tag wirklich nur im Notfall das Krankenhaus aufzusuchen.

Demo im März in Saarbrücken ver.di FB 03 Region Saar Trier Pflege streikt. Demo im März in Saarbrücken